Mit ‘Recht’ getaggte Artikel

05.
Okt '09

Kriterien für die Auswahl einer Berufsunfähigkeits-Versicherung

Abgelegt unter Allgemein |

Liebe Leser,

Wie finden Sie die „richtige“ Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit?

Der wichtigste Rat lautet: Eine Berufsunfähigkeits-Versicherung sollte niemals ohne fachliche Beratung durch einen Spezialisten abgeschlossen werden. Die Fallstricke im „Kleingedruckten“ sind einfach zu eng gewoben.

In  einer Folge von Beiträgen möchte ich Ihnen einige wichtige Auswahlkriterien erläutern. Diese Kriterien werden in der von uns für die Marktanalyse verwendeten PremiumSoftware berücksichtigt. Dabei wird eine Art Hierarchie der Prüfkriterien berücksichtigt.

So nützt es zum Beispiel wenig, wenn ein Vertrag eine kundenfreundlich formulierte Nachversicherungsgarantie enthält, jedoch die Grund-Voraussetzungen für die Zahlung einer Leistung ungenügend sind. Schöne Alu-Felgen an einem PKW sind wertlos, wenn der Motor fehlt!

Als erstes wird deshalb die Frage gestellt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit eine Berufsunfähigkeit anerkannt wird und Sie eine Leistung erhalten. Zunächst ist dabei wichtig, wie in den Versicherungbedingungen die Definition des Berufes formuliert ist.

Allgemein gilt: Seit dem 01.01.2008 gilt für alle neu abgeschlossenen Berufsunfähigkeitsversicherungen eine einheitliche Definition der Berufsunfähigkeit auf Basis des neuen Versicherungsvertragsgesetzes (VVG).

§ 172 VVG:

„… (2) Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.

(3) Als weitere Voraussetzung einer Leistungspflicht des Versicherers kann vereinbart werden, dass die versicherte Person auch keine andere Tätigkeit ausübt oder ausüben kann, die zu übernehmen sie auf Grund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten in der Lage ist und die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.“

Von diesen Regelungen darf der Versicherer nicht zum Nachteil des Versicherten abweichen.

Die Definition des Berufes wird durch die beiden Parameter „Zeitpunkt“ und „Ausgestaltung“ geprägt.

Durch den Zeitpunkt wird bestimmt, welcher Beruf zugrunde gelegt wird. Gilt der zuletzt ausgeübte Beruf, bedeutet dies, dass die Police z.B. bei einem Berufswechsel mitreist. Gilt dagegen nur der versicherte Beruf, würde auf den Beruf abgestellt werden, der bei Vertragsabschluss versichert worden ist. Dies könnte eine völlig andere Tätigkeit sein, als die Tätigkeit, in der die Berufsunfähigkeit eingetreten ist.

Durch die Ausgestaltung der Tätigkeit wird bestimmt, ob der tatsächliche durchschnittliche Tagesablauf bei der Prüfung eines Leistungsfalles zugrunde gelegt wird oder ob eine Verweisung innerhalb aller denkbaren Tätigkeiten eines Berufsbildes erfolgen kann. Die Problematik wird an folgendem fiktiven Beispiel deutlich:

Ein Bankkaufmann reist überwiegend von Filiale zu Filiale und berät dort persönlich die Kunden der jeweiligen Filiale und führt Schulungen für Mitarbeiter durch. Die Tätigkeit des Bankkaufmannes besteht somit überwiegend in der Beratung und Schulung sowie in der Reisetätigkeit. Aufgrund einer Erkrankung kann die Reisetätigkeit nicht mehr ausgeübt werden und die persönliche Beratung der Kunden vor Ort sowie die Schulungen der Mitarbeiter sind auch nicht mehr möglich. Wenn jetzt der Beruf, wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, versichert ist, erfolgt die Prüfung, ob eine Berufsunfähigkeit besteht, anhand der konkreten Merkmale Reisetätigkeit, Beratung und Schulung. Wenn dagegen nur der Beruf versichert ist, kann die Prüfung auf alle denkbaren Tätigkeiten innerhalb des Berufsbildes des Bankkaufmannes erfolgen.

Gemäß VVG darf der Versicherer von der Definition „wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war“ nicht zum Nachteil des Versicherten abweichen. Bitte beachten Sie, daß besondere Regelungen für bestimmte Berufsgruppen (z.B. Ärzte) und Schüler, Studenten, Auszubildende, Hausfrauen usw. nicht berücksichtigt wurden.

Prüfen Sie immer Grundvoraussetzung „Definition des Berufes“.

24.
Sep '09

Hilfsmittel-„Garantie“ der Gothaer Krankenversicherung

Abgelegt unter Allgemein, Private Krankenversicherung |

Liebe Leser,

unter der Überschrift: „Optimieren Sie Ihre Beratungshaftung“ wirbt die Gothaer bei Vermittlern mit einer angeblichen „Hilfsmittelgarantie“. HIER finden Sie das Schriftstück.

Ein fachlich geschätzter Kollege (Sven Hennig, S.H.C. GmbH) wollte es genau wissen und hat die Gothaer schriftlich darum gebeten, dass die dortigen Aussagen in der Police einer Kundin aufgenommen werden, damit diese einen Rechtsanspruch darauf hat. 

Dazu ist die Gothaer jedoch nicht bereit! Auf die schriftliche Anfrage kam aus der Fachabteilung die Antwort, dass

(ZITAT Gothaer) : „… die … übermittelten Informationen über zusätzliche Hilfsmittel, die unter bestimmten Voraussetzungen erstattet werden können, nicht in einer Police dokumentiert werden können. Die vertraglich versicherten Hilfsmittel sind in … Teil II, Tarifbedingungen … abschließend aufgezählt. Für darüber hinausgehende weitere Hilfsmittel besteht grundsätzlich kein Anspruch aus dem Vertrag.“ (ZITAT ENDE). Das vollständige Schreiben finden Sie HIER.

Diese Antwort empfinde ich als sehr erstaunlich und zwar sowohl in Bezug auf die Maklerhaftung als auch in Bezug auf Leistungsversprechen den Kunden gegenüber.

Da schreibt ein Versicherer Vermittlern, es gäbe zur „Optimierung seiner Haftung“ eine Hilfsmittel-Garantie und nimmt diese dann auf konkretes Nachfragen sofort wieder zurück. Was soll man da als Vermittler und besonders auch als Interessent oder Kunde noch glauben?

Möglicherweise könnte ein Kunde im Falle eines Streites mit der Gothaer versuchen, über das Argument „Prospekt-Haftung“ an seine angeblich „garantierten“ Leistungen zu kommen. Allerdings benötigt man (teure) Hilfsmittel zum Beispiel nach einem schweren Unfall oder bei einer schweren Erkrankung. Wer hat dann den Nerv für einen vielleicht langwierigen Rechtsstreit?

Solche Aussagen bestärken mich darin, die Empfehlung für oder gegen eine Krankenversicherung nur auf die in den Vertragsbedingungen rechtverbindlich festgelegten Leistungen zu stützen.

Denn der BGH hat zum Thema „Hilfsmittel“ eindeutig festgelegt, dass eine „abschließende Aufzählung“ gültig ist und ein Kunde darüber hinaus keinen Anspruch auf Erstattung hat. Dies gilt auch, wenn das benötigte Hilfsmittel „medizinisch notwendig“ ist. Hier finden Sie den LINK zum Urteil.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Verlassen Sie sich nur auf die rechtssicheren Aussagen Ihrer Tarifbedingungen. Sie haben keinen Anspruch auf  Leistungen, die dort nicht aufgeführt sind!